Der Herzschlag der Mutter Erde: Warum die schamanische Trommel uns so tief berührt
Hast du schon einmal den tiefen, vibrierenden Schlag einer grossen Rahmentrommel gespürt? Nicht nur gehört, sondern
gespürt – tief in deinem Bauch, dort, wo das Denken aufhört und das Fühlen beginnt?
In unserer hektischen, digitalen Welt sehnen wir uns oft nach einem Anker. Die schamanische Trommel ist genau das.
Sie ist kein kompliziertes Musikinstrument, für das du jahrelang üben musst – sondern ein uraltes Werkzeug, das dich
zurück zu dir selbst bringt. Für viele Menschen fühlt sie sich an wie ein „Reset-Knopf“ fürs Nervensystem.
In diesem Beitrag tauchen wir ein in die Magie der Trommel – einfach, verständlich und praxisnah:
Geschichte · Wirkung · Frequenzen ·
Anwendung · Trommelreise
1) Eine kleine Zeitreise: Das „Pferd“ des Schamanen
Die Geschichte der Trommel ist so alt wie die Menschheit selbst. Lange bevor es Telefone oder das Internet gab,
nutzten unsere Vorfahren Rhythmus, um sich zu verbinden – mit der Natur, mit der Gemeinschaft und mit dem, was sie
als das Unsichtbare verstanden.
In den eisigen Weiten Sibiriens nannten Schamanen ihre Trommel oft das „Pferd“ oder den
„Himmelselch“. Warum? Weil der monotone Rhythmus ihnen half, auf eine innere Reise zu gehen.
Wenn der Schamane trommelte, „ritt“ er auf dem Klang in andere Welten, um Rat zu holen oder Heilprozesse zu begleiten.
In Nordamerika wird die Trommel oft als der „Herzschlag der Mutter Erde“ verehrt. Wenn viele Menschen
gemeinsam um eine grosse Trommel sitzen und schlagen, synchronisiert sich etwas: Atem, Aufmerksamkeit, Körperrhythmus.
Es entsteht ein Gefühl von Einheit und Gemeinschaft.
Egal ob in der mongolischen Steppe oder in den Wäldern Europas – die Trommel war nie nur „Musik“.
Sie war immer eine Brücke zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren.
2) Die Wirkung: Kopf aus, Herz an
Warum entspannt uns Trommeln so sehr? Die Wissenschaft nennt es „Entrainment“ – einfacher gesagt:
Rhythmus holt dich runter.
Unser Alltagsgehirn läuft oft auf Hochtouren (Stress, Listen, Sorgen). Ein gleichmässiger Trommelschlag
– oft um die 4 Schläge pro Sekunde – wirkt wie ein Wiegenlied für den Verstand.
- Stressabbau: Nach wenigen Minuten signalisiert der Rhythmus deinem Körper: „Du bist sicher.“
Muskeln lassen los, der Atem wird tiefer, das System reguliert sich. - Trance-Zustand: Kennst du den Moment kurz vor dem Einschlafen, in dem du noch wach bist,
aber Bilder auftauchen? Genau dorthin führt dich die Trommel oft hin (häufig wird das als „Theta-Zustand“
beschrieben). Hier wird Intuition spürbarer – ohne dass du einschlafen musst.
Es ist wie Meditation, nur zugänglicher: Du musst nicht „nichts denken“ – du hörst dem Schlag zu,
und der Rest passiert oft von allein.
3) Frequenzen: Gute Vibes für den Körper
Musiker diskutieren gern über 432 Hz versus 440 Hz. Bei einer Naturhaut-Trommel ist das Ganze viel organischer:
Eine Trommel lebt. Je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit klingt sie mal höher, mal tiefer.
Viel wichtiger als die exakte Zahl ist das Gefühl der Vibration:
- Tiefe Bässe (Erdung): Grosse Trommeln (z.B. ca. 45–50 cm) haben einen wuchtigen Bass.
Diese Wellen spürst du im Bauch und in den Beinen – ideal, wenn du dich „flatterig“ oder unruhig fühlst. - Helle Obertöne (Klarheit): Wenn du am Rand spielst, entstehen oft singende, hellere Töne.
Sie wirken leichter, „kopfiger“ und können visionäre Reisen unterstützen.
Tipp aus der Praxis: Naturhaut „atmet“. Wenn deine Trommel bei feuchtem Wetter dumpfer klingt,
kannst du sie vorsichtig in die Nähe einer Wärmequelle halten (nicht zu heiss, nicht direkt in die Flamme).
Sobald die Haut etwas wärmer wird, kommt der klare, singende Ton oft zurück.
4) Anwendung: Dein erstes Ritual zu Hause
Du brauchst keinen Titel und keine jahrelange Ausbildung, um eine Trommel sinnvoll zu nutzen.
Hier ist ein einfaches Ritual, das du jederzeit machen kannst:
Schritt 1: Den Raum klären
Schaffe dir eine kleine Oase. Wenn du magst, räuchere kurz (z.B. Palo Santo oder weisser Salbei)
oder erfrische die Atmosphäre mit einem Sprühstoss Agua de Florida.
Schritt 2: Verbinde dich
Nimm deine Trommel in die Hand. Schliesse die Augen. Atme dreimal tief ein und aus.
Setze eine Intention, z.B.: „Ich trommle, um Ruhe zu finden“ oder „Ich bitte um Kraft“.
Schritt 3: Finde deinen Rhythmus
Schlage die Trommel – nicht zu schnell, nicht zu kompliziert. Bumm… Bumm… Bumm…
Stell dir vor, es ist der Herzschlag der Erde. Bleib bei diesem einen Puls.
Wenn Gedanken kommen („Ich muss noch Wäsche waschen“), lass sie vorbeiziehen und komm zurück zum Beat.
Trommle so für 10–15 Minuten.
Schritt 4: Stille
Höre bewusst auf. Die Stille nach dem Trommeln ist oft der magischste Moment:
Spüre nach, wie dein Körper vibriert, wie dein Atem fliesst, wie ruhig es innen wird.
5) Die Trommelreise: Angeleitet oder frei?
Viele Menschen nutzen die Trommel für eine „schamanische Reise“, um Antworten auf Lebensfragen zu finden
oder ihrer inneren Führung zu begegnen. Wie fängst du am besten an?
Variante A: Die angeleitete Reise (perfekt für Anfänger)
Du hörst eine Aufnahme (oder hast eine Leitung), die dich mit Worten führt: „Stell dir vor, du stehst auf einer Wiese…“
- Vorteil: Du wirst an die Hand genommen. Der Kopf hat Orientierung und schweift weniger ab.
- Nachteil: Du folgst eher den Bildern eines anderen, statt deine eigenen entstehen zu lassen.
Variante B: Die reine Trommelreise (für Entdecker)
Du hörst nur den monotonen Trommelbeat (live oder als Track ohne Sprache). Alles, was auftaucht, kommt direkt aus dir:
Vielleicht keine Wiese – sondern eine Höhle. Vielleicht kein Baum – sondern ein Adlerflug.
- Vorteil: Deine innere Welt spricht in ihrer eigenen Sprache zu dir.
- Tipp: Wenn du selbst trommelst, fällst du oft leichter in die Reise, weil Bewegung und Klang eins werden.
Impulse: Welches Tier ruft dich?
Auf solchen Reisen begegnen vielen Menschen Tiere als Symbole. Zwei Beispiele:
- Wolf: steht oft für Führung, Instinkt, Klarheit und Loyalität.
- Bär: erinnert an Ruhe, Heilung und Rückzug – die Medizin des „Winterschlafs“.
Wichtig: Nimm die Bedeutung als Einladung – nicht als starre Regel. Entscheidend ist, was du dabei fühlst.
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